Methoden und Vorgehensweisen

Wer keine Wurzeln hat, kann auch nicht wachsen

Viele Wege führen nach Rom – und so gibt es auch verschiedene Möglichkeiten mehr über die eigene Herkunft zu erfahren. In jedem Fall handelt es sich bei Familienforschung grundsätzlich um Archivforschung. Sie findet vor Ort an den Wirkungsstätten der Vorfahren statt. Das können mitunter sehr viele verschiedene Orte sein.

Sinnvollerweise ist das Vorgehen strukturiert und hat Aussichten auf Erfolg. Dies ist sowohl bei der Erforschung in breiter Ahnentafelform, als auch bei der des Stammbaums der Fall.

Familienstammbaum

Eine väterliche Stammreihe bietet ein eher beschränktes „Forschungsabenteuer“, da – wie der Name schon sagt – nur der reine Stamm, also nur die Söhne, Väter, Großväter usw., erforscht werden. Der Stammbaum folgt einem anderen Ansatz und hält daher schon mehr Geschichten bereit. Er zeigt jeweils die vollständige Familie des Vorfahren auf. Die Ahnentafel erforscht alle Elternpaare ohne Kinder und bildet den genetischen Code ab. Das wesentliche Charakteristikum der Sippentafel ist Endlosigkeit und Strukturlosigkeit, d.h. in eine Sippentafel kommt jede verwandschaftliche Beziehung, die zu finden ist. Der Vollständigkeit halber haben wir hier zwei weitere Forschungsmöglichkeiten aufgeführt:

  • Darüber hinaus gibt es allerdings noch einen besonderen Fall: Gerade für Familienunternehmen ist die Erstellung einer Unternehmenschronik von wachsender Bedeutung.
  • Für Eigentümer und Bewohner historischer Gebäude, was an und für sich schon eine besondere Attraktion darstellt, sind Forschungen zu Schloss bzw. Hof von wachsendem Interesse.

Die Geschichte der Familienforschung

Seine Ahnen zu kennen war einmal ein Beweismittel für "vornehme Geburt". Dazu genügte es allerdings nicht, nur die Großeltern zu kennen, sondern man musste zusammen mit den Urgroßeltern mindestens acht adelige Vorfahren einer Generation aufweisen können. Aus diesem Grund kannte lange Zeit nur der Adel seine Ahnen.

Das änderte sich jedoch mit dem aufstrebenden Bürgertum und vermögenden Bauern. Diese gesellschaftliche Entwicklung ließ den Stammbaum bald zu einem beliebten Medium historischer Selbstdarstellung avancieren und verhalf ihm zu steigender Nachfrage.

Solide Handwerksarbeit, kaufmännische Erfolge und bäuerlicher Besitz waren nun ebenso geachtet wie adeliger Kriegsruhm. Öffentliche Ämter, wie sie Schulzen, Schöffen und Schreiber bekleideten, eröffneten noch dazu neue, ungeahnte Möglichkeiten des gesellschaftlichen Aufstiegs.

Familienchronik

So ließ sich ein Geschäft oft schneller und erfolgreicher abschließen, wenn ein Kaufmann das Ansehen der Väter und Großväter bei einer Verhandlung mit ins Feld führen konnte. Nicht umsonst hat z.B. jede Generation der Medici in Florenz sich immer bewusst als ein Teil im epochalen Gesamtgefüge des Clans verstanden. Hätte Lorenzo de Medici sich als Einzelschicksal ohne Bezug zu Vater und Großvater begriffen, wäre sein enormer politischer Erfolg in fast ungreifbare Ferne gerückt.

Auf die Geschichte einer großen Familien zurückgreifen zu können, versprach daher nicht nur Achtung und Ehre, sondern war auch ein "Verkaufsargument" und stand somit für Seriosität und Vertrauenswürdigkeit. So wurde der Stammbaum und/oder die Ahnentafel bald auch für bürgerliche Familien zur gesellschaftlichen Pflicht und diese bürgerlichen Familien begründetet damit vor mehr als dreihundert Jahren die bürgerliche Genealogie.

Und heute? Wir werden zwar täglich rund um die Uhr mit einer unpersönlichen Bilder- und Informationsflut versorgt, aber unserem Zeitalter scheinen die kleinen persönlichen Geschichten abhanden gekommen zu sein. Kurzum: Es wird nicht mehr erzählt. So ist es nicht verwunderlich, wenn immer mehr Menschen um ihre ganz persönliche Geschichte, ihre Wurzeln, wissen wollen. Globalisierung und Individualisierung, persönliche Lebenswege, die sich längst nicht mehr an nationale Grenzen oder Kontinente halten – all das trägt dazu bei, dass wir erfahren wollen, wie unsere Vorfahren gelebt haben und was sie bewegte. "Was die Großmutter noch wusste" ist damit genau das, dessen ideeller und unbezahlbarer Wert für uns immer wichtiger wird. Es geht dabei um die eigene historisch gewachsene Identität als Teil einer Persönlichkeit, für die das "Hier und Jetzt" nicht ohne das "Davor" geht - oder um mit Goethe zu sprechen: Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist.

Wo also die eigene Chronik beginnen? Die Vorfahren bis zu den Großeltern kennt heute fast jeder. Vielleicht haben Sie sogar ein "Familienstammbuch", in dem weitere Ahnen verzeichnet sind, und dazu einige alte Geburts- und Sterbeurkunden, die durch Dokumente Ihrer Verwandten noch ergänzt werden können. Im Regelfall versiegen dann jedoch bereits die familienkundlichen Quellen und die ersten Schwierigkeiten beginnen.

 

Harald Heimbach

Brief mit Siegelabdruck

altes Dokument mit Siegel