Wir befinden uns zwischen 1096 und 1099 zur Zeit des 1. Kreuzzuges. Stellen Sie sich vor, Sie sehen sich – als europäisches Heer zu Zeiten der Kreuzzüge – plötzlich mit islamischen Truppen konfrontiert. Um die Überlebenschancen in solch bedrohlichen Situationen zu erhöhen, machte man eine herausragende Erfindung: den geschlossenen Helm. Was für die eigene Sicherheit gut war, machte eine Unterscheidung zwischen Freund und Feind äußerst schwierig. Eine Kennzeichnung der Rüstung musste her. So bemalte man zunächst die größte Fläche, die zur Verfügung stand: den Schild. Später wurden zudem auch noch die Helme künstlerisch verziert. Diese beiden Elemente kommen Ihnen im Zusammenhang mit Wappen bekannt vor? Kein Wunder: Schild, Helm und Helmzier sind die wichtigsten Gestaltungselemente/ des Vollwappens.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass nur ritterliche und adlige Schichten Wappen führen durften. Nach dem ersten Auftauchen der Wappen vergingen gerade mal ein paar Jahrzehnte bis diese auch von bürgerlichen Familien verwandt wurden. Für den Aufstieg der großen, aufstrebenden bürgerlichen Familie spielte das Wappen in zweierlei Hinsicht eine zentrale Rolle. Zum einen war das Familienwappen ein Statussymbol. Zum anderen konnten nur ganz wenige Menschen lesen und schreiben. So „unterzeichnete“ man rechtsgeschäftliche Vereinbarungen mit dem eigenen Wappensiegel. Wurde also ein Kauf im wahrsten Sinne des Wortes "besiegelt", so war mit diesem Zeichen auch dem ganz großen analphabetischen Bevölkerungsteil klar, wem nun was gehörte. Das Siegel mit dem Wappen war damit zu einem unverzichtbaren Kommunikationsmedium einer Gesellschaft geworden.
Ein und dasselbe Wappen im Wandel der Zeit bei der Darstellung eines Wappens kommt es auf die sachlich korrekte Wiedergabe des Schildinhaltes und der Helmzier an. Heraldisch korrekt heißt: Die Wiedergabe des Schildinhaltes, der Helmzier und der Farbe muss genau der Wappenbeschreibung (Blasonierung) entsprechen. Diese drei Elemente sind die Konstanten eines Wappens, die nicht verändert werden dürfen. In diesen klaren Grenzen sind dem heraldisch graphisch arbeitenden Künstler weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten gegeben. So hat er beispielsweise bei der Gestaltung der Helmdecken freie Hand, denn diese stellen – ähnlich wie bei einem Porträt – nur den zierenden Rahmen dar. Was sich ändern und dem Zeitgeschmack anpassen kann, ist der Stil der Darstellung. Das haben die verschiedenen Epochen für sich zu nutzen gewusst, und so findet man ein und dasselbe Wappen in der Renaissance vollkommen anders dargestellt als in der Hochgotik. 
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