Als der unumstrittene „Papst der Heraldik“ wurde er schon zu Lebzeiten in der internationalen Fachwelt gehandelt. Aus dem Papst der Wappen zu Lebzeiten wurde nach seinem Tod eine Legende. Dr. Ottfried Neubecker (1908 - 1992) beschäftigte sich bereits ab den frühen 20er Jahren mit der Heraldik. Damit trug er in unschätzbarem Maße zur Etablierung und Verbreitung der Heraldik bei. Er war die letzten und vielleicht fruchtbarsten 20 Jahre seines Lebens für Pro Heraldica tätig. Noch heute profitieren unsere Mitarbeiter von seinem Fachwissen. Unschätzbar und unbezahlbar ist vor allem seine einzigartige Bibliothek. Sie steht heute exklusiv unserem Hause zur Verfügung. „Hier“, so seine Worte, „weiß ich mein Vermächtnis in den richtigen Händen“ und hielt dies sogar urkundlich fest.
Dr. Ottfried Neubecker im Profil
Sein wissenschaftliches Erbe umfasst ein literarisches Schaffen, dessen Bibliographie allein 42 Seiten (!) umfasst. Wir haben Ihnen im Folgenden eine minimale Auswahl seiner Buchveröffentlichungen zusammengestellt:
Das Deutsche Wappen 1806-1871, Berlin 1931;
Deutsch und Französisch für Heraldiker, Berlin 1934;
Fahnen und Flaggen, Leipzig 1939;
Kleine Wappenfibel, Konstanz 1969;
Heraldik / Wappen – ihr Ursprung, Sinn und Wert, Frankfurt/M. 1977 (übersetzt in fünf Sprachen);
Wappenkunde, München 1980;
Wappenbilderlexikon, München 1985
Vor 100 Jahren: Einer der größten Heraldiker des 20. Jahrhunderts wird geboren.
Eine Persönlichkeit, die bereits zu Lebzeiten zur Legende wurde und in Fachkreisen gern „Papst der Heraldik“ genannt wurde, wäre im Jahr 2008 hundert Jahre alt geworden: Dr. phil. Ottfried Neubecker. Dr. Neubecker wurde am 22.3.1908 in Berlin-Charlottenburg geboren. Sein Vater war Prof. Karl Neubecker, seine Mutter Renée, geb. von Meyenburg. Bereits mit 6 Jahren interessierte er sich für Wappen und Flaggen – eine Leidenschaft, die ihn Zeit seines Lebens nicht mehr loslassen sollte.
Doch der Vater bestand darauf, dass der Sohn nach dem Abitur das Jura-Studium aufnahm. Schon bald aber wechselte Ottfried Neubecker zu den Fächern, die seinen Interessensgebieten adäquat waren: Geschichte und Kunstgeschichte. Er studierte an den Universitäten Genf, Heidelberg und Berlin, wo er 1931 mit einer Arbeit über „Das Deutsche Wappen 1806-1871“ promovierte. Zugleich arbeitete er als Mitarbeiter beim damaligen Reichskunstwart Edwin Redslob und später beim Reichsinnenministerium und der Marineleitung, wobei es ihm trotz des auf ihn ausgeübten Druckes gelang, sich der herrschenden Nazi-Ideologie gegenüber zu distanzieren.
Während dieser Zeit schuf Ottfried Neubecker über 50 Gemeindewappen sowie Entwürfe für geistliche Wappen und Konzeptionen zu akademischen Insignien und Wappen. Daneben wurde er im Auftrag der schon genannten Ministerien Mitautor amtlicher Standardwerke und war darüber hinaus als beratender Mitarbeiter bei führenden Verlagshäusern wie Brockhaus, Knaur, Chamber`s Encyclopaedia u.v.a. tätig. Auf Grund der jüdischen Abstammung seiner Frau geriet Neubecker mehrmals ins Visier der Gestapo, konnte sich aber durch häufige Ortswechsel bis zum Kriegsende einer tatsächlichen Verfolgung entziehen.
Nach 1945 übernahm Ottfried Neubecker Lehrtätigkeiten an den Universitäten Mainz und Berlin. Obwohl er ein gebürtiger Berliner war und nach dem Zweiten Weltkrieg dort – politisch unbelastet – mehreren Kulturvereinen zur Erneuerung ihrer Zulassung verholfen hat, verlagerte er seine Tätigkeit ab den 50er Jahren mehr und mehr in die Bundesrepublik, wo er zunächst von Wiesbaden, später von Stuttgart aus sein Wirken bis 1992 fortsetzte.
Es wurden seine erfolgreichsten Jahre, in denen er zahlreiche Ehrungen erfahren hat:
Ottfried Neubecker war ein überaus vielseitiger Wissenschaftler, der seine speziellen Wissensgebiete, die Heraldik (Wappenkunde), die Vexillologie (Fahnenkunde) und die Phaleristik (Ordenskunde) stets als Integrationswissenschaften verstand und für seine Mitarbeiter und Gesprächspartner zu einem „wandelnden Lexikon“ wurde.
25 Jahre – vielleicht seine fruchtbarsten – hat Ottfried Neubecker Pro Heraldica gewidmet, an deren Gründung und Entwicklung er maßgeblichen Anteil hatte. Hier fand seine renommierte, in fast 80 Jahren liebevoll zusammengetragene Bibliothek ihre endgültige Heimstatt. Hier konnte er viele seiner ehrgeizigen Projekte umsetzen und Menschen, die heute die Fortführung seines Tuns als Verpflichtung verstehen, in seiner strengen Auffassung vom sachkundigen Umgang mit Heraldik schulen und bilden. Hier konnte er Tausenden von Familien bei der Erforschung, Prüfung und Richtigstellung sowie bei der Stiftung von Familienwappen helfen.
Sein Schrifttum ist in über 300 selbständigen Schriften, anonymer Mitarbeit an fremden Arbeiten, Übersetzungen, an der Mitarbeit an Lexikalischen Werken bzw. Serienwerken, Aufsätzen in Zeitschriften und Zeitungen, Reklame- und Bilderserien usw. dokumentiert. Das umfangreiche Schriftenverzeichnis stellen wir anläßlich seines 100. Geburtstags hier allen Interessierten zum Lesen oder Herunterladen zur Verfügung.
Seine Bibliographie können Sie hier herunterladen (PDF, 21MB)
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